Wegfahrsperre

Klimadisplay und Zentralverriegelung liefen gut, aber der Wagen ging nach wie vor häufig direkt nach dem Starten wieder aus. Die Ursache kannte ich ja schon – die Wegfahrsperre, nur konnte ich das Problem nicht lösen.

Ein neuer Plan musste her. Hier kam mir nun ein flüchtiger Bekannter wieder in den Sinn. Solange ich mich erinnern konnte reparierte er schon Autos und auch als ich ihn anrief sagte er, daß er sich das gerne mal anschauen könnte. Da sich auch noch zwei, drei andere Fragen angesammelt hatten, schrieb ich alles auf und fuhr zu ihm.

Die zwei Schrauben bekam er mit einem etwas längeren Hebel problemlos in kürzester Zeit raus. Der Rest verlief wie nach Plan und die WFS musste seitdem nie wieder in Aktion treten.

Da wir schon mitten im Herbst waren und Autobatterien ja besonders gerne zum Winter hin sterben, schlug er vor auch gleich mal danach zu schauen. Und natürlich hatten die - durch die verrückt spielende Wegfahrsperre bedingten – vielen Startversuche reichlich an ihr gezehrt. Sie reichte zwar im Moment noch um den Wagen zu starten, würde aber den Winter wahrscheinlich nicht überleben. Da ich keine Lust hatte irgendwann bei klirrender Kälte in einem nicht funktionierenden Auto zu sitzen, gabs direkt eine neue – eine Berga Basic-Block 12V, 60Ah (560 408 054 / BB-H5-60).

Ab Werk war laut Ausstattungscode eine mit 44Ah verbaut, aber die Praxis zeigt: Die 90A Lichtmaschine bekommt auch ohne weiteres eine etwas größere Batterie geladen - und das sogar trotz meiner vielen Kurzstreckenfahrten.

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Die drei Probleme

Während der Recherchezeit habe ich natürlich auch den lieben Arbeitskollegen mein Leid mit dem Autoradiowerkzeug geklagt. Zufällig hatte einer davon das gleiche Problem mit einem anderen Wagen gehabt, in dem ein Sony Radio eingebaut war. Er hatte dann irgendwo günstig ein ganzes Set an Werkzeugen für alle möglichen Hersteller gekauft und brauchte das für Pioneer Radios nicht. Praktisch!

Damit war mein erstes Hindernis schonmal überwunden. Als nächstes bestellte ich mir, wie in der Anleitung aufgelistet, die Ersatzkabel für die Wegfahrsperre.

000 979 018 A (2×) ... Einzelltg. ......................... 8,33 EUR
8D0 972 623 AA ....... Gehaeuse ........................... 3,99 EUR

Nachdem ich nun alles zusammen hatte, machte ich mich an einem schönen, sonnigen Tag auf zu meinen Eltern. Ein Auto zu zerlegen ist auf einem Privatgrundstück einfach angenehmer, als irgendwo an einer öffentlichen Straße und außerdem hat mein Vater einen sehr großen Werkzeugkeller, was durchaus von Vorteil ist, wenn man nicht weiß, welche Schrauben einen erwarten.

Als erstes musste die Zentralverriegelung repariert werden. Nichts ist nerviger, als an der Tankstelle zu stehen und den Wagen 10× auf- und zuschließen zu müssen, weil man nicht an den Tank kommt. Das ganze gestaltete sich sehr einfach. Man baut im Kofferraum rechts das Ablagefach aus, kann dann die Bodenplatte rausnehmen und schon kommt rechts ein recht tiefes, schmales Fach zum Vorschein. Dadrin ist die in Schaumstoff verpackte ZV Pumpe samt Elektronik, die man einfach vorsichtig herausheben kann. Der Schaumstoff lässt sich "aufklappen" und als letztes müssen dann noch die Schläuche und Kabel ab. Die Stecker sind alle verpolungssicher und – soweit ich mich erinnere – gab es nur einen Unterdruckschlauch. Da muß man sich also nicht viel merken.

Die Pumpe selbst ist intuitiv und einfach zu zerlegen. Es gibt eigentlich nur zwei Dinge zu beachten:

  1. Ganz genau merken, welches Teil wo und wie saß! Ich hatte das leider nur teilweise befolgt und durfte beim Zusammenbau puzzeln.
  2. Einige Teile der Pumpe bestehen aus Graphit – ein sehr brüchiges Material. Daher unbedingt mit größter Vorsicht vorgehen und auf keinen Fall irgendwas fallen lassen. Die besagten Teile sind nicht einzeln nachkaufbar!

Auf der Unterseite sieht man nach dem Öffnen des Gehäuses eine Menge Lötstellen. Bei mir konnte man die kaputten relativ gut erkennen. Es handelte sich um die großen, relativ mittig liegenden. Ich habe auf diese einfach einen Lötkolben gehalten, gewartet bis alles einmal flüssig war und es wieder hart werden lassen. Eigentlich soll man ja komplett neues Lötzinn benutzen… So funktioniert’s aber auch. Da ich die Pumpe nicht noch ein zweites Mal ausbauen wollte, habe ich zusätzlich ein paar weitere verdächtig aussehende Lötstellen erwärmt.

Aus dem selben Grund, habe ich bei dieser Gelegenheit auch gleich die kleinen Graphitsteine umgedreht. Die alten inneren Seiten waren zwar noch nicht sehr stark abgenutzt, aber ich hoffe trotzdem, daß die Pumpe so noch etwas länger hält.

Beim Wiedereinbau muß man auf nicht viel achten, außer das natürlich alles wieder am richtigen Platz sitzt.

Als nächstes stand das Klimabedienteil auf meinem Plan. Ich bin dabei exakt nach folgender Anleitung vorgegangen (PDF): Wackelkontakt im Klimadisplay beseitigen

Beides war ein voller Erfolg, die Teile funktionieren seitdem bis heute tadellos.

Aber es gab an dem Tag auch eine Ernüchterung – die Wegfahrsperre.
Um die zu reparieren, muß man den Airbag ausbauen. Dieser wird von zwei Schrauben gehalten. Um sie zu lösen braucht man einen recht langen "echten" Torx Schraubenzieher (Steckschlüssel wäre zu dick). Ich habe sogar einen passenden in den unendlichen Weiten des väterlichen Werkzeugkellers gefunden, aber leider habe ich die Schrauben einfach nicht losbekommen. Mit roher Gewalt hätte ich den Airbag sicherlich irgendwie vom Lenkrad runterbekommen, aber ich wollte das ganze ja auch noch wieder zusammenbauen.

Der Basteltag war damit an diesem Punkt beendet und ich war zu 2/3 zufrieden.

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Wehwehchen

Nachdem ich das Auto einige Wochen kennengelernt hatte, machte ich mich langsam an die kleinen Wehwehchen dran.

Drei Probleme waren dabei am offensichtlichsten:

  1. Der Wagen springt schlecht an
  2. Das Klimadisplay fällt ohne erkennbares System häufig aus
  3. Die Zentralverriegelung ist nur selten zentral, sondern öffnet meist nur eine Tür

Da ich nicht aus dem Bereich KFZ, sondern aus dem Bereich IT komme, sieht es in meinem Bekanntenkreis, was Wissen und Ausstattung zur Reparatur von Autos angeht, leider mau aus. Getreu dem Motto "Selbst ist der Mann" begab ich mich also erstmal bei Google auf die Suche. Mit etwas Glück hatte ja vielleicht schonmal jemand ähnliche Probleme und hatte sie bereits gelöst.

Bei verschiedenen Suchen standen zwei Webseiten immer wieder ganz oben in den Ergebnislisten. Zum einen die A4-Freunde Community und zum anderen das B5 Wiki.
Bei den A4-Freunden gibt es viele nette, hilfsbereite und kompetente Mitglieder, die einem immer mit Rat und Tat zur Seite stehen, selbst wenn das Problem schon 100× durchgekaut wurde.
Im B5 Wiki findet man haufenweise Details über den Wagen, die man sich sonst mühselig im gesamten Internet zusammensuchen müsste – oder auch schlicht gar nicht finden würde.

Außerdem war natürlich das omipräsente Motor-Talk Forum auch häufig vertreten. Für mich als ITler (aus dem Bereich Internet) ist dort allerdings außerordentlich nervig, daß das Design beim Laden ständig hin und her springt, sowie die Tatsache, daß häufiger mal der halbe Text eines Beitrages von irgendwelchen anderen Elementen auf der rechten Seite verdeckt wird. Zudem sind die Beiträge dort leider zu 95% von deutlich niedrigerem Niveau.
Insg. hat mich das Forum so sehr genervt, daß ich mich nichtmal angemeldet habe.

Bei meiner Suche habe ich aber natürlich nicht nur die Webseiten, sondern auch ein paar Lösungsansätze gefunden. Der schlecht anspringende Wagen lag an der Kabelverbindung von der Lesespule zur Wegfahrsperre. Das Klimadisplay (PDF) und die Zentralverriegelung hatten kalte Lötstellen.

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Radioempfang

Unglücklicherweise hatte ich in der Eile (es war schon relativ spät) das Problem mit dem Radioempfang vergessen. Es wurde natürlich umso präsenter, da sich das Radio jetzt die eingespeicherten Sender merken konnte. Also stand ich nur wenige Tage später wieder bei dem selben Verkäufer und mußte nochmal nach dem Ausbauwerkzeug fragen.

Nachdem das Radio wieder draußen war, war das Problem auch schnell gefunden. Die Antenne war einfach schlicht nicht angeschlossen. Es fehlte ganz offensichtlich beim Einbau an einem Adapter. Ich ging also wieder rein, um das Werkzeug abzugeben und auch gleich nach so einem Adapter zu fragen. Zielstrebig gingen wir wieder auf ein Regal zu und er zeigte genau auf die eine Stelle, an der gerade nichts hang. Die Adapter waren ausverkauft. Da ich mit dem Service ausnahmsweise mal wirklich mehr als zufrieden war, hätte ich ja gerne ein paar Euro für den mutmaßlich überteuerten Adapter da gelassen. Leider musste ich aber mit leeren Händen wieder zum Auto gehen, steckte das Radio ein Stück in den Schacht, damit es beim Fahren nicht herumbaumelt und fuhr nach Hause.

Auf der Fahrt kam mir dann eine Idee: Die Produktpalette von Mediamarkt und Saturn ist ja sehr ähnlich, die müssten diesen Adapter daher auch führen. Also auf zu Saturn, das "Car HiFi" Regal gesucht und Bingo! Lauter Antennenadapter, 4,99 Euro/Stück.

Seit dem Tag kommt aus dem Autoradio nun nicht mehr nur Ipod Musik, sondern auch »Radio«.

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Radio

Bei weiteren Fahrten und weiterem herumprobieren stellte sich heraus, daß das Radio bei jedem Abstellen des Wagens alle Einstellungen (Radiosender, Equalizer, usw) verlor. Außerdem war kein Radioempfang möglich. Leider gab es beim Auto kein Ausbauwerkzeug für das Radio dazu, ich konnte also nichtmal gucken woran es lag.

Da mir nichts besseres einfiel, fuhr ich erstmal zu Mediamarkt. Die verkaufen schließlich haufenweise solche Radios, vielleicht haben die ja auch Ersatzwerkzeug zum Ausbauen. Ich schilderte dem netten Verkäufer also mein Dilemma. Leider kann man dort – zu meinem damaligen Erstaunen – kein Ersatzwerkzeug kaufen, aber dafür hatte der Mann gleich zwei Ideen – eine kompetente und eine pragmatische.

Die Kompetente war, daß er mir einen Audi->ISO Adapter zeigte. Dort waren u.a. ein rotes und ein gelbes Kabel zu sehen. In seinem Adapter waren die Kabel gekreuzt und er gab mir den Tip das doch bei meinem auch mal zu versuchen. Um mir das zu ermöglichen, kam die pragmatische Idee ins Spiel. Er öffnete einfach einen Karton eines anderen Radios und gab mir das Ausbauwerkzeug daraus. Nach Ausbau des Radios musste ich die beiden Teile natürlich zurückbringen.

Mit Werkzeug und Tip bewaffnet ging ich zum Wagen. Das Radio war im Handumdrehen ausgebaut und ich suchte die besagten Kabel. Gar nicht so einfach, denn da schwirrt doch ein ganzer Haufen Kabel rum. Als ich sie gefunden hatte, sah ich auch, daß der Adapter quasi universell ausgelegt war. Die beiden Kabel waren jeweils an einer Stelle zusammengesteckt und ich konnte sie einfach vertauschen.

Ergebnis: 1a! 10 Minuten Arbeit und schon konnte sich das Radio seine Einstellungen merken.

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Anmeldung

Bereits vor der Abholung hatte ich mich um eine eVB gekümmert und mir ein Kennzeichen ausgesucht. Zuhause angekommen, habe ich nur kurz meiner Frau das Auto gezeigt, die Unterlagen eingepackt und mich zur Zulassungsstelle aufgemacht.

Auf dem Weg dorthin fiel mir auf, daß die Musik irgendwie seltsam klang. Also an der Ampel durch die Einstellungen gegangen und festgestellt: Alles wieder wie ganz zu Anfang. Seltsam. Die wichtigsten Dinge wieder eingestellt und schon gings weiter.

Am Ziel angekommen erwartete mich erstaunlicherweise keine Schlange, trotzdem ging es aber irgendwie überhaupt nicht vorwärts. Es waren drei oder vier Plätze mit Sachbearbeitern besetzt und es saßen nur fünf wartende Leute rum. Nach den ersten 20 Minuten Wartezeit war es insg. eine Person weitergegangen und endlich war mein Bekannter aus der Pause zurück. Er sorgte freundlicherweise dafür, daß wir direkt dran waren.

Die Anmeldung verlief problemlos. Zum Schluß fragte die gute Frau, ob ich denn schon ein Kennzeichen hätte. Hatte ich nicht. Sie sagte, es gäbe verschiedene Läden in der Nähe… Natürlich die beiden offensichtlichen genau vor der Tür, aber auch in den angrenzenden Straßen noch weitere. Dort könnten die Kennzeichen auch günstiger sein. Ich machte mich also auf die Suche. Tatsächlich fanden sich zwei weitere, einer ca. 10 Euro günstiger, als die vor der Tür, und einer sogar fast 20 Euro günstiger! Ich schlug zu… und stellte fest, daß es tatsächlich noch Läden gibt, in denen man nicht mit Karte zahlen kann. Nachdem ich also Geld geholt hatte und das Kennzeichen geprägt war, war es mittlerweile so spät geworden, daß ich beinahe nicht mehr in die Zulassungsstelle reingekommen wäre. Hat aber alles noch geklappt und der Wagen war ab dem Zeitpunkt ganz offiziell in meinem Besitz. :)

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Abholung

Ich fange mal ganz am Anfang an. Mitte 2009 kam ich durch einen glücklichen Zufall an einen Audi A4 (B5).

Er hat einen 1,8 Liter Motor mit 125 PS und hatte damals ca. 148.000 km gelaufen. Der ehemalige Besitzer gab mir noch mit auf den Weg, daß der Wagen mal eine Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung hatte, er den einzigen Sender aber vor ein paar Monaten verloren hat. Die Anzeige des Klimabedienteils fällt gerne mal aus, man müsse dann aber nur feste draufdrücken und könnte wieder sehen was man eingestellt hat. Und ab und zu springt der Wagen schlecht an, danach wurde auch schonmal geguckt, aber die Ursache wurde leider nicht gefunden. Außerdem hatte er vor einiger Zeit ein neues Autoradio mit Ipod Anschluß eingebaut, welcher – wie wir nach einem kurzen Test herausfanden – auch mit meinem Ipod Touch funktioniert.

Nachdem alle Formalitäten geklärt waren, machte ich mich auf den Weg nach Hause. Bislang war ich überwiegend einen geliehenen Opel Corsa mit 55 PS gefahren – ein gewaltiger Unterschied zu den neuen 125 PS. Das machte sich sofort bemerkbar. 200 km/h waren schnell erreicht und ich fragte mich: Wie schnell fährt der Wagen eigentlich…? Ein Blick in den KFZ Schein lieferte Klarheit: 205 km/h. Klarheit? Ich war doch gerade 200 gefahren und bei nur 5 mehr wäre Schluß? Das war ich von dem Corsa aber anders gewohnt… Da war der Vorwärtsdrang bei den letzten 10 km/h sehr viel geringer als davor. Beim nächsten Test gab ich also munter weiter Gas. Als die Tachonadel bei 220 war, war mir klar, daß der Wagen entweder sehr viel schneller läuft oder der Tacho ungenau ist. Ich entschied mich für letzteres.

So frei wie die Strecke ein paar Kilometer lang war, so viel Stau hatte ich dafür auf einem anderen Stück. Dort konnte ich mir dann die Einstellmöglichkeiten des Radios etwas genauer ansehen. Und siehe da – wenn man sich etwas damit beschäftigt, klingt das doch auch gar nicht mehr so schlecht. Warum hatte der Vorbesitzer das nicht gemacht?

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Meine Autogeschichten

Nachdem ich mit der Zeit mein gesamtes Umfeld bis zum Erbrechen mit Geschichten von meinem Auto gequält habe und ich immer mehr den Eindruck habe, daß alle weglaufen wollen, wenn ich wieder damit anfange, muß jetzt das Internet als Opfer herhalten.

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